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Naturschutzverbände in Chamonix und Garmisch-Partenkirchen beginnen Austausch und entdecken gemeinsame Herausforderungen

Auf Vermittlung des Partnerstädtevereins Garmisch-Partenkirchen waren Martin Schneyder und Joachim Mark als Vertreter des Vorstands der BN Kreisgruppe Garmisch-Partenkirchen zu Gast in Chamonix. Eingeladen hatte der Naturschutzbund ARNAR und die Gemeinde Chamonix. Die Reise wurde auch durch den Partnerstädte Garmisch-Partenkirchen e.V. unterstützt. Ziel war ein gegenseitiges Kennenlernen und Austausch zu Herausforderungen in den Bereichen Naturschutz, Tourismus, Klimawandel, Mobilität und nachhaltigem Handeln.

Bereits seit 50 Jahren gibt es im Naturschutzgebiet am Aiguille Rouge ein Informationszentrum, in dem Studenten und ein Ranger Gästen und Einheimischen Umweltbildung anbieten, sie informieren und Sorge für die Einhaltung von Regeln zum Schutz von Flora und Fauna tragen. Das Infozentrum am Col de Montet wird derzeit mit EU Geldern renoviert und zur Sommersaison wiedereröffnet.

Foto: Das bereits 50 Jahre alte Natur-Infozentrum bekommt derzeit eine aufwändige Renovierung.

Besichtigt wurde auch ein nahegelegener, privat geführter Tierpark, in dessen 20 ha Freigehege zahlreiche Gämsen, Steinböcke, Rehe, Hirsche und Murmeltiere beobachtet werden konnten und der besonders bei Kindern und Familien sehr beliebt ist.

Foto: Laurent Dolomez (Naturschutzpolizei ASTERS) und Prof. Michel Cara erklären die Regeln für Besucher im Naturschutzgebiet Aiguille Rouge, rechts Joachim Mark (BN GAP)

Neben intensiven Gesprächen war der Höhepunkt eine Seilbahnexkursion auf den 3850m hohen Aiguille du Midi. Von dort konnte bei bestem Wetter der Mont-Blanc, zahlreiche Gletscher, Schutzhütten, aber auch das Monta Rosa Massiv und das Matterhorn gesehen werden. Gerade der alpine Mont-Blanc Tourismus stößt nach Aussage der Einheimischen immer mehr an seine Kapazitätsgrenzen, sodass bereits französische Bergführer dazu eine Petition an die Regierung in Paris übergeben haben.

Foto: Jochim Mark BN GAP, Prof. Michel Cara vom Naturschutzbund ARNAR und Martin Schneyder BN GAP auf der Gipfelstation des Aiguille du Midi. Ganz im Hintergrund das Matterhorn

Aktuelle Herausforderung für Chamonix mit etwa 9000 Einwohnern ist der ungebremste Besucherstrom, vor allem bei Großveranstaltungen, wie z.B. dem Mont Blanc Ultra Trail Lauf, bei dem neben 10 000 Teilnehmern auch noch 50 000 Begleitpersonen im Tal anwesend sind. Wie auch in Garmisch-Partenkirchen stellt sich die Frage, ab welcher Besucherzahl die bestehende Infrastruktur, Natur- und alpine Lebensräume ausgelastet bzw. überlastet sind. Wieviele Besucher vertragen Berg und Tal, um den Wirtschaftszweig Tourismus als nachhaltig und zukunftsfähig zu beschreiben?

Bemerkenswert für die Garmischer Naturschützer ist der Ausbau der Radwege im Ort und in die Umgebung entlang den Hauptstraßen. Oft haben die Radwege eine eigene und damit sichere abgegrenzte Trasse.

Noch sind die vom Tal aus gut sichtbaren Gletscher ein Besuchermagnet für Chamonix. Fortschreitender Klimawandel, wachsende Touristenzahlen, besonders von Tagesgästen, fehlende innovative Mobilitätskonzepte und Verluste an Biodiversität beunruhigen immer mehr Einwohner von Chamonix. Die Anfang Mai noch angenehme Ruhe im Ort wird sich im Hochsommer in ein grenzwertiges, touristisches Treiben wandeln vor dem es auch Einheimische graust.

Dass sich die Naturschutzverbände in Chamonix und Garmisch-Partenkirchen nun austauschen ist ein guter Ansatz, den alle Beteiligte gerne weiter gestalten möchten, um Verbesserungen für Natur und Umwelt zu erreichen und ein weiteres Feld, auf dem die gelebte Partnerschaft zwischen den beiden Partnerstädten mit Leben erfüllt werden kann. Für Mai 2023 ist ein Gegenbesuch in Garmisch-Partenkirchen geplant.

Foto: Von links nach rechts: Martin Schneyder, Joachim Mark (beide BN GAP); Jean-Marc Bonino, Camille Bannes (beide von der Gemeinde Chamonix), Prof. Michel Cara (Naturschutzbund ARNAR) und Cécile Gruffat vom  Office de Tourisme und Vize-Präsidentin des Partnerschaftsvereins Chamonix-Garmisch-P.
 
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